Stuttgart, 10.07.2018 

AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg:
Teledermatologie hilft Hausärzten bei Diagnose und Therapie

Patienten bleiben weite Wege und lange Wartezeiten erspart

Keine Überweisung oder Terminsuche, kein langwieriges Anreisen oder Wartezeiten, stattdessen ein schneller Informationsaustausch zwischen Haus- und Facharzt – die Telemedizin eröffnet neue Möglichkeiten, die medizinische Versorgung insbesondere auf dem Land zu verbessern. Hierzu zählt das innovative Projekt
TeleDerm im Rahmen des AOK-Hausarztvertrags in Baden-Württemberg, in dem die zwölfmonatige Interventionsphase im Juli gestartet ist. TeleDerm soll die fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Haus- und Hautarzt optimieren, ohne dass der Patient den Facharzt aufsuchen muss. Der Hausarzt erstellt dazu bei unklaren Befunden unterstützt durch ein sogenanntes Dermatoskop Bilder der betreffenden Hautareale und erhält binnen zwei Tagen eine dermatologische Empfehlung. Gefördert wird das Projekt aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses. Ergebnisse werden bis Mitte 2020 erwartet.

Das Projekt ermögliche mit seiner digitalen Technik eine schnellere Behandlung und bringe im Rahmen der HZV die Vernetzung der Versorgungsebenen zwischen Haus- und Facharzt voran. Und in Verbindung mit einem vertrauensvollen Patient-Arzt-Verhältnis könne hier die Technik ihr positives Potenzial voll entfalten, so die Vertragspartner AOK Baden-Württemberg, Hausärzteverband Baden-Württemberg und MEDI Baden-Württemberg zu den gemeinsamen Motiven für ihre Beteiligung an dem Projekt.

Etwa sieben bis zehn Prozent aller Patienten suchen ihren Hausarzt auf, weil sie Hautprobleme haben. Rund 90 Prozent der Fälle kann der Hausarzt selbst behandeln. Ist dermatologischer Rat gefragt, wird es allerdings zunehmend schwierig, zeitnah einen Termin bei einem Hautarzt in der Umgebung zu bekommen. Insbesondere für ältere, mobilitätseingeschränkte Patienten ist die Fahrt zu einem weiter entfernten Facharzt kaum zu bewerkstelligen. In den Niederlanden verknüpft man bereits seit etlichen Jahren dermatologische Diagnostik mit moderner Informationstechnik. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Teledermatologie bezüglich Diagnosequalität und Therapieergebnissen mit der konventionellen dermatologischen Versorgung mithalten kann.

Insgesamt 50 hausärztliche Praxen in vier Landkreisen (Böblingen, Calw, Rottweil, Zollernalbkreis) nehmen an dem Projekt TeleDerm teil. Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, müssen mindestens 540 HZV-Patienten teilnehmen. Es wird evaluiert, ob und in welchem Maße sich die Zahl der Überweisungen an Dermatologen entwickelt, wenn eine telemedizinische patientenbezogene Beratung von Hausärzten durch einen Hautarzt möglich ist. Zudem wird untersucht, wie Patienten und Ärzte diese Art der Zusammenarbeit (sog. Telekonsil) annehmen.

Die beteiligten Praxen wurden bereits mit entsprechenden Systemen (Kamera, Software) ausgestattet und geschult. Seit 1. Juli  können teilnehmende Hausärzte zusammen mit den Bildern, Angaben zum Patienten und den vorliegenden Beschwerden über eine sichere Datenleitung Rat von einem beteiligten Dermatologen anfordern. Binnen zweier Werktage erfolgt die Antwort, so dass der Hausarzt mit den Patienten zeitnah das weitere Vorgehen besprechen kann. Die teilnehmenden Ärzte erhalten eine Aufwandsentschädigung.

Für Projektleiterin Prof. Dr. Stefanie Joos, Allgemeinmedizinerin sowie Ärztliche Direktorin am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Universitätsklinikum Tübingen, liegen die Vorteile für Arzt und Patient auf der Hand: „Die Betroffenen müssen weder lange auf einen Facharzttermin warten, noch weite Wege in Kauf nehmen. In den meisten Fällen können sie dank Teledermatologie eine zuverlässige Diagnose und Therapieempfehlungen auch bei ihrem Hausarzt erhalten.“ Auch für Hautärzte besitzt Teledermatologie ihren Reiz, wie Prof. Dr. Matthias Möhrle aus Tübingen - Teilnehmer des Pilotprojektes - kommentiert: „Eine Entlastung der Hautarztpraxen ist möglich, so dass mehr Zeit für wirklich schwerwiegende Fälle verbleibt, weil dank Teledermatologie mehr Patienten auch in der Hausarztpraxis gut versorgt werden können.“

Konsortialführung:

Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung UKT;

Konsortialpartner:

AOK Baden-Württemberg; Telemedizinisches Zentrum KSYOS/Niederlande; Hochschule Reutlingen, Medizinische Informationssysteme; Institut für Klinische Epidemiologie und angewandte Biometrie, UKT; Fachbereich Health Services Management, LMU München; aQua - Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH

Projekt- und Kooperationspartner:

Universitäts-Hautklinik Tübingen, UKT; HÄVG/Hausärztliche Vertragsgemeinschaft AG; Hausärzteverband Baden-Württemberg; MEDIVERBUND AG, MEDI Baden-Württemberg e.V.

Kontakt (Pressestellen)

AOK Baden-Württemberg – Telefon: 0711 2593-229
MEDI Baden-Württemberg – Telefon: 0711 806079-223
Hausärzteverband Baden-Württemberg – Telefon: 0172 201 0390


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