Stuttgart, 16.08.2018

AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg:
Besseres Entlassmanagement fängt beim Hausarzt an

Erste Patienten in strukturiertes Programm eingeschrieben

Als einer der ersten Patienten erhielt der 33-jährige Dragan K. von seinem Pleidelsheimer Hausarzt Dr. Jürgen Herbers den Einweisungsbrief für seine notwendige Dekubitalulkus-Therapie bei Nierenzell-Karzinom im Klinikum Bad Cannstatt.
Er ist Teilnehmer in der vom Innovationsfonds geförderten Studie VESPEERA1. In dem Projekt wird das Einweisungs- und Entlassmanagement zwischen Hausarztpraxen und Kliniken umfassend strukturiert. Dadurch sollen die Patientenzufriedenheit gesteigert, die Rate an Wiedereinweisungen sowie Doppel-, Unter- und Fehlversorgung beispielsweise bei Hilfsmitteln verringert werden. Potentielle Risikopatienten werden dazu beim Hausarzt identifiziert und durch Versorgungsassistentinnen (VERAHs) engmaschig betreut. Geplant ist die Teilnahme von rund 100 HZV-Ärzten und zehn Klinikstandorten in landesweit neun Landkreisen. Ergebnisse werden bis Herbst 2020 erwartet.

1 VESPEERA (Versorgungskontinuität sichern: Patientenorientiertes Einweisungs- und Entlassmanagement in Hausarztpraxen und Krankenhäusern) ist an den HZV-Vertrag der AOK-Baden-Württemberg angeschlossen.

 Allein bei der AOK Baden-Württemberg erfolgt bei jedem sechsten Patient innerhalb von drei Monaten eine Wiedereinweisung in eine Klinik.  Nadja El-Kurd, AOK-Projektleiterin, sagt dazu: „Gerade an der sektorübergreifenden Schnittstelle von Krankenhaus zu Hausarzt gibt es enorme Versorgungslücken und Informationsbrüche. Aufbauend auf den seit zehn Jahren etablierten Haus- und Facharztverträgen wollen wir zukünftig gemeinsam mit unseren ärztlichen Partnern auch zwischen ambulantem und stationärem Sektor durch eine strukturierte Verzahnung neue Maßstäbe setzen.“

Das neue Konzept geht inhaltlich weit über den im Herbst 2017 in Kraft getretenen Rahmenvertrag Entlassmanagement nach Krankenhausbehandlung gemäß § 39 Abs.1 a SGB V hinaus. Gezielt gestärkt wird insbesondere der Hausarzt in seiner Funktion als zentraler Versorgungssteuerer. Ein wesentliches Element dazu ist ein strukturierter Einweisungsbrief, der das Krankenhaus bei der Entlassplanung frühzeitig unterstützen soll. Bei Dragan K., der zwar noch jung, aber durch sein Tumorleiden schon pflegebedürftig ist, bedeutet das unter anderem, dass dem Krankenhaus alle wichtigen Kontaktpersonen bekannt sind. Hierzu zählen die Schwägerin als Übersetzerin, der für die Wundversorgung zuständige Pflegedienst und der richtige AOK-Ansprechpartner für das Entlassmanagement. Ferner soll durch Telefonkontakte zwischen Krankenhaus und Hausarztpraxis die kontinuierliche nachstationäre Versorgung sichergestellt werden. In diesem Fall etwa durch die frühzeitige Mitteilung der Entlassmedikation, insbesondere der BtM-pflichtigen Arzneimittel, um deren zügige Weiterverordnung zu gewährleisten. Alle Bausteine des Einweisungs- und Entlassmanagements in der Hausarztpraxis sind durch eine Software („Care Cockpit“) miteinander verbunden.

Dr. Herbers zu seinen Teilnahmemotiven: „Sehr froh bin ich nicht nur über die verbesserte Kommunikation mit der Klinik, sondern darüber, dass durch den strukturierten Einweisungsbrief auch die interprofessionelle Zusammenarbeit aller an der Behandlung Beteiligter - nämlich Krankenhaus, Arzt, VERAH, Pflegedienst, Angehörige und Krankenkasse - vereinfacht und manchmal erst ermöglicht wird. Ich bin deshalb überzeugt davon, dass dies ein zukunftsfähiger Ansatz ist, zumal der notwendige Mehraufwand vergütet wird, und uns unsere VERAH sehr wirkungsvoll entlasten kann.“

Bereits seit 2014 wurde deren Kompetenz exklusiv im AOK-Hausarztvertrag um das Hausarztpraxis-basierte Case-Management multimorbider Patienten (PraCMan) erweitert. In VESPEERA führt die VERAH die obligatorischen Assessments durch und informiert die Patienten ausführlich, um sie optimal auf den bevorstehenden Klinikaufenthalt vorzubereiten. Nach Entlassung werden der Arzneimittelplan und bei Bedarf die vom Krankenhaus empfohlene Anschlussversorgung besprochen. Teilnehmende Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf erhalten zudem in den ersten drei Monaten eine engmaschige telefonische Betreuung. Bei Dragan K. muss auch die nicht verschlossene Wunde regelmäßig behandelt und die Wundbehandlung an den Befund angepasst werden. Das übernimmt ebenfalls die VERAH im Rahmen ihrer regulären HZV-Aufgaben in Absprache mit dem Hausarzt.

Teilnehmende Stadt- und Landkreise: Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis, Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg, Böblingen, Calw, Tübingen und Reutlingen. Projektpartner sind neben der AOK Baden-Württemberg die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung und das Institut für Medizinische Biometrie und Informatik des Universitätsklinikums Heidelberg, das aQua-Institut, die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) sowie der Gesundheitstreffpunkt Mannheim e.V.

 

Kontakt (Pressestellen)

AOK Baden-Württemberg – Telefon: 0711 2593-229
MEDI Baden-Württemberg – Telefon: 0711 806079-223
Hausärzteverband Baden-Württemberg – Telefon: 0172 201 0390


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